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Zweithund vs. Vermieter_in

Zweithund vs. Vermieter_in





***** UPDATE vom 20.11.2020 unter NEUIGKEITEN (Runterscrollen) *****




Sehr kurze Zusammenfassung
(Runtersrollen für Kurzversion und detaillierte Version)
Es geht um ein Crowfunding für die Kosten des Rechtsstreites:

Vermieterin erlaubt unseren Zweithund nicht.

--> Ablehnung mit unpassenden, pauschalen Argumenten.

Die 1. Instanz hat unsere Klage abgewiesen.

Berufung beim Landgericht wurde eingelegt.

Gründe für das Crowdfunding:
  • Wir empfinden die Ablehnung und Begründung dafür sehr einschneidend, diskriminierend und übergriffig für unser gewähltes Familien-/Lebensmodell.

  • Die Klage hat das Potential ein Präzedenzfall zu werden, welcher auch wegweisend für andere Entscheidungen für Betroffene sein könnte.

  • Die auf uns zukommenden Anwalt- und Prozesskosten sprengen unser Budget - wir möchten aber ungern klein beigeben, vor allem weil es nicht nur einschneidend gegenüber uns ist, sondern auch allen anderen Menschen gegenüber, die ein anderes Familienmodell gewählt haben.



Deutsche Version: (English version - scroll down.)



Liebe Mitmenschen, liebe Hundehalter_innen,

wir haben uns dazu entschieden, uns gegen die Entscheidung unserer Vermieterin, die Haltung eines Zweithundes abzulehnen, rechtlich zu wehren.

Bitte nehmt euch 5 Minuten Zeit, um die Gründe zu lesen, warum wir eure Hilfe brauchen.

Wir brauchen eure Unterstützung. Jeder Betrag zählt!

Zuerst möchten wir uns vorstellen:


Wer sind wir?

Alex:

Ich wohne seit über 10 Jahren in Berlin, aufgewachsen im bayer. Wald.

Als Teenager wollte ich schon immer Hunde haben, aber durch Allergien in der Familie, war dieser Wunsch nicht erfüllbar.

Den Großteil meiner Freizeit verbringe ich mit Hunden (Momo und Hunden von Freund_innen), meistens in der Natur Brandenburgs.

Flo und ich sind seit über 8 Jahren zusammen, so lange leben wir auch schon zusammen, und Momo kam kurz danach schon als neues Familienmitglied dazu.

Florian:

Ich wohne auch seit über 10 Jahren in Berlin. Begleite Alex oft in die Natur, aber entdecke auch gerne Berlin mit Momo.

Momo:

8 Jahre alt, Australian Shepherd Hündin, lebt seit knapp 8 Jahren bei uns.

Lu:

7 Monate alt, (Kurzhaar) Border Collie Hündin mit super spitzen Ohren, soll bei uns einziehen.

Wir leben in einer 82qm Erdgeschoss-Wohnung im Bezirk Pankow, keine 300m von einem sehr großen Park (Schlosspark) entfernt. Meistens sind wir mit Momo (und unserem Rudel) in der brandenburgischen Natur anzutreffen.


Wer ist unsere Vermieterin?

„Die GESOBAU AG (Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau) ist eines von derzeit sechs kommunalen Wohnungsunternehmen in Berlin“ (Wikipedia, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesobau, Stand: 07.10.2020)


Wie fing die ganze Geschichte an? (Kurze Version hier.)

Lange Rede, kurzer Sinn:

Unsere Vermieterin lehnt die Haltung eines Zweithundes mit pauschalen, unpassenden Gründen ab. Diese Gründe wechselten von

  • die Eigentümerin müsse uns keine Gründe nennen,
  • über Bellen, Verschmutzung, Schäden und Signalwirkung an die Nachbarschaft,
  • über ein Border Collie brauche sehr viel Auslauf und könne nicht an einem Ort bleiben,
  • zu doppelte Abnutzung (wegen Zweithund) der Wohnung durch z.B. Geruch und Haare, „Emissionsverschmutzungen”, doppeltes Konfliktpotenzial usw.

Die erste Gerichtsverhandlung fand am 07.10.2020 am Amtsgericht Pankow/Weißensee statt:

Der Richter begann die Verhandlung damit (mit einem Lachen), sich die Anzahl der Wohneinheiten der Gesobau in Berlin (ca. 35.000) vom gegnerischen Anwalt bestätigen zu lassen. Der Richter machte schnell klar, dass er dazu tendiert, die Klage abzulehnen, da es eigentlich nicht mehr um UNSEREN Zweithund gehe, sondern um den Präzedenzfall, der geschaffen werden würde und weil er sich selbst als „Durchgangsstation” zum Landgericht sehe.

Seiner Meinung nach, hat der Fall immerhin Potenzial bis zum Bundesgerichtshof (BGH) zu kommen.

Die Verhandlung war geprägt von Witze reißen, subtilen und manchmal etwas weniger subtilen sexistischen Äußerungen gegenüber unserer Anwältin sowie Richterinnen, die nicht anwesend waren. Er mied während der ganzen Verhandlung Augenkontakt mit uns und machte sich teilweise über unsere Argumente lustig.

Egal, welche Entscheidung von dem Richter getroffen wird, sowohl wir als auch die Gesobau werden bei einer nachteiligen Entscheidung Berufung vor dem Landgericht Berlin einlegen.

Falls wir in der nächsten Instanz ebenfalls verlieren sollten, würden wir eine Klage vor dem BGH anstreben.

(Du willst alle Details? Scrolle bis zum Ende, dort kannst du alles lesen.)


Warum wenden wir uns nun an euch?

  • Wir finden die Begründung ungerecht, vor allem weil wir alle vermeintlichen Behauptungen entkräften können.

  • Wir finden die Entscheidung der Vermieterin sehr einschneidend, diskriminierend und übergriffig für unser gewähltes Familien-/Lebensmodell.

  • Die Klage hat das Potential ein Präzedenzfall zu werden, welcher auch wegweisend für andere Entscheidungen für Betroffene sein könnte.

  • Die auf uns zukommenden Anwalt- und Prozesskosten sprengen unser Budget - wir möchten aber ungern klein beigeben, vor allem weil es nicht nur einschneidend gegenüber uns ist, sondern auch allen anderen Menschen gegenüber, die ein anderes Familienmodell gewählt haben.

Alle Spenden, die am Ende nicht für den Rechtsstreit gebraucht werden, werden an eine gemeinnützige Organisation für Hunde/Tiere gespendet. (Wir suchen noch - schreibt auch gerne Ideen in die Kommentare.)


Die Kosten (Stand: 08.10.2020).

Sollten wir gewinnen, muss die Gegenseite die Gerichtsgebühren und die Kosten unserer Anwältin vor Gericht bezahlen (aber nur die gesetzlich vorgeschriebenen Beträge).

Falls wir verlieren, müssen wir die Kosten der Anwälte der Gegenseite bezahlen.

1. Instanz (Amtsgericht Pankow/Weißensee)

Außergerichtliche Anwaltskosten: 1150,00€

Gerichtsgebühr: 213,00€

Anwaltskosten Prozess: 417,60€

Anwaltskosten der Gegenseite bei Unterliegen: 356,70€*

Totale Ausgaben 1. Instanz: 2137,30€

Fett Gedrucktes wurde bereits bezahlt.
* Zahlung fällig, wenn das Landgericht die Klage ebenfalls 
abweist

2. Instanz (Landgericht Berlin) - Berufung

Außergerichtliche Anwaltskosten: ? €

Gerichtsgebühr: ? €

Anwaltskosten Prozess: ? €

Anwaltskosten der Gegenseite bei Unterliegen: zw. ? €

Totale Ausgaben 2. Instanz: zw. ? €

Fett Gedrucktes wurde bereits bezahlt.
* Schätzung

Detaillierte Version

Wir fragten die Anschaffung eines Zweithundes Anfang Juni 2020 bei unserer Sachbearbeiterin der Gesobau an. Nach knapp dreiwöchiger Wartezeit, fragten wir erneut die Anschaffung eines Border Collie Welpens als Zweithund an.

Daraufhin erhielten wir innerhalb von wenigen Minuten eine Email mit der Ablehnung ohne Nennung von Gründen.

Natürlich fragten wir sofort nach den Gründen der Ablehnung - woraufhin uns gesagt wurde, dass die Eigentümerin keinerlei Entscheidungen begründen müsse. Die Eigentümerin wünsche das nicht und daran müssten wir uns halten. (E-Mail vom 23.06.2020)

Um ehrlich zu sein, dachten wir nie, dass es ein Problem wäre, einen Zweithund genehmigt zu bekommen. Es gab nie Beschwerden über unsere Ersthündin Momo bzw. uns. Momo ist eine sehr gut erzogene, ausgeglichene Hündin und verhält sich ruhig in der Wohnung. Zusätzlich ist sie auch haftpflichtversichert. Außerdem begleitet Momo Alex zur Arbeit, was für Lu auch vorgesehen wäre.

Da wir uns sicher waren, dass Vermieter_innen Gründe für eine Ablehnung nennen müssen, riefen wir noch am gleichen Tag eine Anwältin für Mietrecht an.

Am nächsten Tag, 24.06.2020, sendete sie bereits ein Schreiben an unsere Sachbearbeitern bzw. die Gesobau, in welchem sie darauf hinwies, dass der BGH in einem Urteil von 2012 entschied, dass jeweils eine Abwägung im Einzelfall vorgenommen werden müsse. Was uns in unserer Annahme bestätigte, dass eine unbegründete Ablehnung so nicht einfach möglich ist. Sie beschrieb außerdem unser Leben mit Momo genauer, um zu verdeutlichen, dass es nie zu Problemen im Haus oder der Wohnung gekommen ist, wir uns hervorragend um sie kümmern, der Zweithund (wie der Ersthund) versichert werden und eine Hundeschule besuchen würde. Zum Schluss verwies sie noch auf eine aktuelle Entscheidung des AG Paderborns vom 28.10.2019 (51 C 112/19) und erteilte eine Frist zur Erteilung der Zustimmung bis zum 10.07.2020.

Am 07.07.2020 erhielt unsere Anwältin eine erneute Ablehnung per Brief. Die Ablehnung enthielt vier pauschalisierte, unpassende Begründungen:

lautes Hundegebell bei morgendlichen Ausgang

beim Ertönen einer Klingel, bei Abwesenheit der Hundehalter,

Verschmutzung der Treppenhäuser an Wänden, Böden und Türen,die z.T. verursacht werden durch Schütteln des nassen Felles, Hundeexkremente, Kratzspuren u.v.m.

Beschädigungen innerhalb der Wohnungen am Parkett / hochwertigem Laminat (darunter befindet sich die Fußbodenheizung)

Die Gesobau wies außerdem in diesem Schreiben an uns noch einmal darauf hin, dass es letztendlich eine Einzelfallentscheidung sei. Diese fand in unserem Fall zu keinem Zeitpunkt statt.

Unsere Anwältin antwortet auf das Schreiben am 10.07.2020. Sie schilderte erneut, wie wir unsere Ersthündin halten und dass keine Beschwerden gegenüber uns vorliegen. Zusätzlich schlug sie vor, eine Erlaubnis unter Vorbehalt zu erteilen, falls es zu einer Beschwerde kommen sollte. Die Frist wurde auf den 15.07.2020 festgelegt.

An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass unsere Anwältin mehrere Telefongespräche mit unserer Sachbearbeiterin führte, die größtenteils nicht zielbringend und von einem unprofessionellen Ton geprägt waren. Bis auf eines, bei welchem die Sachbearbeiterin einwilligte, sich bei ihren Vorgesetzten für uns „stark zu machen”. Sie bat am 15.07.20, auf Anfrage unserer Anwältin um Fristverlängerung bis zum 20.07.20.

Leider kam bis dahin keine Antwort, obwohl wir um eine Fristverlängerung gebeten wurden.

Die Klage wurde am 21.07.20 eingereicht. Wir legten Unterschriften unserer Nachbar_innen von drei Mietparteien im gleichen Haus bei, die es nicht stören würde, wenn ein Zweithund bei uns gehalten werden würde (die restlichen zwei Mietparteien im Haus befanden sich im Urlaub oder waren zum Zeitpunkt des Unterschriftensammelns noch nicht eingezogen). Unsere Hausgemeinschaft führt ein lockeres, freundschaftliches Verhältnis.

Am 27.07.20 erhielten wir einen Brief von den Anwälten der Gesobau, unabhängig von der eingereichten Klage, da diese noch nicht zugestellt war.

In diesem Schreiben wurden neue Gründe für die Ablehnung aufgeführt:

Die Haltung eines Zweithundes würde zu einer Überbelegung führen, die auch unter Beachtung des Tierwohls nicht gewollt ist.

Ein Border Collie benötige Platz und mehr Bewegung und Auslauf als ein normaler Stadthund. Ein Hund dieser Rasse will ständig laufen und spielen und kann kaum an einem Ort bleiben.

Zusätzlich führen sie auf, dass wir bisher nicht dargelegt haben, wie wir „den ausgeprägten Bewegungsdrang des Hundes bewältigen wollen.“ Es folgten noch Hinweise, dass eine Unterforderung des Hundes eine Charakterveränderung befürchten lässt und zu Problemen mit anderen Hunden und in der Nachbarschaft führen kann.

Auch die Nennung unserer Hundetrainerin als Zeugin (bei der wir seit knapp 8 Jahren trainieren), sei nicht geeignet der Sorge beizukommen.

Wir erstellten eine Liste mit 10 Zeug_innen, die nachweisen konnten, in welchem Umfang wir uns um unseren Ersthund Momo kümmern und/oder deren Hunde von uns die letzten Jahre zu regelmäßigen Ausflügen in die Natur mitgenommen wurden. Auch eine Liste von 5 Arbeitskolleg_innen wurde beigelegt, die die Mitnahme von Momo zur Arbeit und ihr ruhiges Verhalten im Büro bezeugen können.

Dazu erstellten wir eine ungefähre Aufstellung, wie ein Tag für Momo bei uns aussieht, was wir mit ihr unternehmen, Orte, zu welchen wir regelmäßig mit ihr zum Wandern fahren und Stellungnahme zu einzelnen Argumenten der gegnerischen Anwälte. Die Listen und Argumente wurden als Erwiderung an die Anwälte der Gesobau geschickt und natürlich auch bei Gericht eingereicht.

Am 01.09.2020 sendete die gegnerische Seite ihre Klageerwiderung an uns.

In dieser wurden erneut neue (aber auch alte) Gründe und Mutmaßungen aufgeführt:

  • Überbelegung der Wohnung durch einen Zweithund
  • Unverhältnismäßige Abnutzung der Wohnung
  • Keine halbwegs artgerechte Haltung der Hunde
  • Signalwirkung an die Nachbarschaft
  • doppelte Belastung der Nachbarschaft

Es wird argumentiert, dass, würden wir den Zweithund genehmigt bekommen, auch Nachbar_innen einen Zweithund möchten und es zu einem unkontrollierten Zuwachs der Hundepopulation kommen würde. Die Konsequenz daraus wäre eine Steigerung der Lärm- bzw. generellen Emissionsbelästigungen. Auch wird hier nun (anders als im letzten Schreiben) erwähnt, dass die Rasse des Hundes nicht von Belang wäre, sondern es um die Gesamtzahl der Hunde in der Nachbarschaft ankäme.

Die Gesobau widerspricht demnach ihren eigens angeführten Argumenten zur Ablehnung des Zweithundes. Da zunächst die Rasse des Hundes eine erhebliche Rolle gespielt hat, scheint dies nun kein Argument mehr zu sein.

Ein weiteres Argument ist, dass eine Belästigung der Nachbarschaft und andere negative Folgen nicht ausgeschlossen werden könnten und durch ihre Lebenserfahrung (welche zu einem späteren Zeitpunkt von der Gegenseite erklärt wird) wüssten sie, dass es bei Zusammentreffen mit anderen Hunden zu Konfliktsituationen komme. Durch einen Zweithund würde die Gefahr solcher Konfliktsituationen ohne erkennbaren Grund verdoppelt werden.

Des Weiteren wäre eine nicht mehr hinzunehmende Zunahme an Bellen, Gerüchen und eine verstärkte Benutzung der Wohnimmobilie zu erwarten. (Wer uns und Momo kennt, weiß, dass Momo in der Wohnung nicht bellt und es auch zu keiner Geruchsbelästigung kommt. Dafür wurden u.a. unsere Nachbar_innen als Zeug_innen aufgelistet.)

Es wird zusätzlich noch ein Urteil des AG Tempelhof/Kreuzberg vom 31.10.2019 (GeschZ 23 C 158/19) aufgeführt, welches vom LG Berlin am 24.01.2020 (66 S 310/19) bestätigt wurde.

Die zu erwartenden negativen Folgen einer Genehmigung würden schwerer wiegen als unsere Interessen als Mieter.

In dieser Argumentation wird deutlich wie übergriffig die Gegenseite argumentiert. Die Annahme, dass jede_r Besitzer_in eines Hundes IMMER auch Interesse an einem Zweithund hat wurde zu keiner Zeit belegt. Die Gesobau kann daher diese Argumentation ohne hinreichende Beweise nicht verwenden.

Unsere Anwältin antwortete am 16.09.2020 auf jede Behauptung des vorherigen Schreibens. Sie stellt erst einmal die Größe unserer Wohnung, 81,49 qm, klar, da dies in der Klageerwiderung des Gegenseite nicht erwähnt wurde (lediglich als 2-Zimmer-Wohnung bezeichnet).

Als zweiten Punkt erwähnt sie, dass es keine tatsächliche Grundlage für die Behauptung der übermäßigen Abnutzung der Wohnung und Überbelegung gäbe - da niemand auf die Idee kommen würde, dass die Wohnung überbelegt wäre, wenn wir mit 2 Kindern hier wohnen würden.

Es werden noch einmal das Gemüt, sogar die Größe von Momo, 48cm, und das Einverständnis der direkten Nachbar_innen erwähnt. Die voraussichtliche Größe von Lu (45cm) wird auch genannt. Es wird auch darauf hingewiesen, dass Momo und Lu sich bereits kennen, regelmäßig sehen und eine sehr gute Beziehung entwickelt haben.

Auch die Behauptung, dass andere Mieter_innen einen Zweithund möchten und dieser dann erlaubt werden müsse, widerspricht dem Urteil des BGHs, dass jeweils der Einzelfall geprüft werden muss.

Da es über unseren Ersthund noch nie Beschwerden gab, kann auch nicht davon ausgegangen werden, dass die Belästigungen mit einem Zweithund zunehmen.

Zusätzlich argumentiert unsere Anwältin, dass wir als schwules Paar zusammen keine Kinder zeugen können und die Hunde zu unserem gewählten Familien-/Lebensmodell gehören.

Die erste Gerichtsverhandlung fand am 07.10.2020 am Amtsgericht Pankow/Weißensee statt:

Der Richter begann die Verhandlung damit (mit einem Lachen), sich die Anzahl der Wohneinheiten der Gesobau in Berlin (ca. 35.000) vom gegnerischen Anwalt bestätigen zu lassen. Der Richter machte schnell klar, dass er dazu tendiert, die Klage abzulehnen, da es eigentlich nicht mehr um UNSEREN Zweithund gehe, sondern um den Präzedenzfall, der geschaffen werden würde und weil er sich selbst als „Durchgangsstation” zum Landgericht sehe.

Seiner Meinung nach, hat der Fall immerhin Potenzial bis zum Bundesgerichtshof (BGH) zu kommen.

Die Verhandlung war geprägt von Witze reißen, subtilen und manchmal etwas weniger subtilen sexistischen Äußerungen gegenüber unserer Anwältin sowie Richterinnen, die nicht anwesend waren. Er mied während der ganzen Verhandlung Augenkontakt mit uns und machte sich teilweise über unsere Argumente lustig.

Egal, welche Entscheidung von dem Richter getroffen wird, sowohl wir als auch die Gesobau werden bei einer nachteiligen Entscheidung, Berufung vor dem Landgericht Berlin einlegen.

Falls wir in der nächsten Instanz ebenfalls verlieren sollten, würden wir eine Klage vor dem BGH anstreben.

Einen Tag später, 08.10.2020, wurde unserer Anwältin ein Schreiben der Anwälte der Gegenseite eingeworfen. Dieses war auf den 01.10.2020 datiert und lag auch dem Gericht höchstwahrscheinlich zum Zeitpunkt der Verhandlung vor - uns nicht.

In diesem Schreiben gingen die Anwälte der Gesobau auf das Schreiben unserer Anwältin vom 16.09.2020 ein:

Der Vergleich zwischen Kindern und Hunden könne nicht gezogen werden, da Kinder kein Sommer- und Winterfell haben und deshalb weniger haaren. Zusätzlich geht von nasser Kinderhaut nicht derselbe Geruch wie von nassem Hundefell aus, welcher sich in der Wohnung festsetzen würde. Daraus wir die größere Abnutzung der Wohnung durch zwei Hunde (im Gegensatz zu einem) gefolgert.

Es wird noch einmal erwähnt, dass die Rasse des Hundes keine Rolle spiele: die Vermieterin möchte eine Signalwirkung an die Nachbarschaft vermeiden.

Es könne nicht davon ausgegangen werden, dass von dem Zweithund keine Störungen ausgehen wird, nur weil keine von dem Ersthund ausgehe - mit Hinweis darauf, dass möglicherweise noch ein dritter folgt.

Der Ermessensspielraum sei nicht fehlerhaft ausgeübt worden, denn auch eine Prognoseentscheidung sei Teil dieser. Mit mehr als 35.000 Wohnungen könne die Gesobau auf ihre Lebenserfahrung zurückgreifen → Mieter_innen, die bereits einen Hund haben, möchten die Erlaubnis für einen Zweithund, wenn jemand in der Nachbarschaft einen Zweithund genehmigt bekommen hat.

Auch könne nicht auf das Wohnverhalten des neuen Hundes durch den Ersthund geschlossen werden.

Dass sich Momo und Lu bereits kennen und es zu keinen Problemen kam, wird aus Nichtwissen bestritten.

Auch auf dieses Schreiben antwortete unsere Anwältin am 08.10.2020 (also direkt nach bei Eingang des Schreibens) sehr ausführlich. Sie verdeutlichte noch einmal, dass viele der Behauptungen der Gegenseite ohne Beweis aufgeführt werden und schlicht und einfach Mutmaßungen sind.

Auch wird unser gewähltes Familienmodell noch einmal erwähnt.



ENGLISH VERSION:



Dear dog owners, dog lovers, and other fellow human beings,

our landlord is trying to prevent us from having a second dog in our flat, and we want to fight this decision.

We kindly ask you to take 5 minutes to read why we're doing this and why we're asking for your help.

We need your support! Every donation counts. Please help us get past this bureaucratic mess and provide Lu with a safe and loving home.


Who are we?

Alex: living in Berlin for over 10 years but grew up in the forests of Bavaria. Wanted to have dogs as a teenager, but couldn't because of allergies in the family. Spends most of his free time now with dogs (Momo and the dogs of friends), mostly in the nature of Brandenburg.

Flo: also living in Berlin for over 10 years. Usually more up for exploring the city with Momo, but accompanies Alex to the woods when he has time.

Momo: 8 years old, female Australian Shepherd, has been living with Alex & Flo for her whole life (almost 8 years)

Lu: 7 months old, female (short fur) Border Collie with super pointy ears, wants to move in with Momo & family.

We live in an 82 sqm ground floor apartment in Pankow, very close to a huge park (Schlosspark). However, we mostly spend our time with Momo (and our pack) in the woods.


Who’s our landlord?

GESOBAU AG, which is one of the six local housing associations in Berlin, and owns about 35000 apartments.

(Wikipedia, URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Gesobau, Stand: 07.10.2020)


How did the whole story begin?

Our landlord rejected our request to keep a second dog in our flat, with vague and shifting reasons that really do not apply to us. Since we first put in our request, these reasons have varied between:

  • the landlord insisting they don't have to give us reasons for their decisions

  • assertion of barking, pollution, damage to our neighbourhood

  • claims that a Border Collie needs a lot of space to constantly run and can't stay in one place

  • concern about doubling of wear on the apartment through the additional smell and fur, or conflict between the dogs

Since these reasons don't make sense in our case we filed a suit to challenge the decision.

The first hearing took place at the district court (dt. Amtsgericht) on Oct 7th, 2020. The judge did not make a decision on the spot, but suggested that he is inclined to reject our suit as he thinks this case is no longer about our second dog, but rather the making of a precedent, and that this hearing is more of a "transit" to the next (higher) court. He thinks that this case has the potential to go to the highest court of appeal in Germany, the BGH (Bundesgerichtshof - analogous to the Supreme Court in the UK or the US).

The complete hearing was characterised by jokes, subtle and sometimes not so subtle sexist statements towards our (female) lawyer. He avoided eye contact with us the whole time and openly mocked some of our arguments.

The decision will be made in the next 3-4 weeks but the result doesn’t really matter at this point as either we or the GESOBAU are going to file an appeal at the Landgericht Berlin.

Should we lose this hearing as well, we would try to file an appeal at the BGH (if permitted).


Why do we turn to you now?

We want to continue pursuing this challenge because:

  • We find the landlord's reasoning for rejecting the second dog unjust, especially because we can refute all of the allegations.

  • We also feel the landlord's decision is disproportionate and discriminatory to our chosen family/life model (i.e. we are a gay couple with dogs, not a married couple with kids)

  • We still want to provide Lu with a happy and loving home.

  • The lawsuit has the potential to set a precedent, which could help others who are in a similar position to us in future.

  • We can't afford to pay the full costs of the legal process, and hence we are asking for your help. Any amount is greatly appreciated!

Any money raised that isn't used for legal costs will be donated to dog-/animal-related charity (we have been looking for ideas - if you have any, comment below.)


The costs (as of October 8th, 2020).

If we win, the opponent has to pay the court fees and the costs of our lawyer in court (but only the amounts required by law).

If we lose, we have to pay for everything, including the cost of the opponent's lawyers.

1. Hearing at disctrict court (Amtsgericht Pankow/Weißensee)

Our lawyer's fees (outside of court): 1150,00€ 

Court fees: 213,00€ 

Our lawyer's fee (in court): 417,60€ 

Fees for the opponent's lawyers, if we lose the case: 356,70€* 

Total costs 1. hearing: 2137,30€

Bold has already been paid.
* needs to be paid if we lose 2. hearing as well.

2. Hearing at Landgericht Berlin - Appeal

Our lawyer's fees (outside of court): ? € 

Court fees: ? € 

Our lawyer's fee (in court): ? €

Fees for the opponent's lawyers, if we lose the case: zw. ? €*

Total costs 2. hearing: zw. ? € und ? €*

Bold has already been paid.
* Estimation

€1,210 Collected

0 Day left
25 Contributions

Organiser

Kollmer Alexander

Profile verified

Beneficiary

Alexander Kollmer